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Die Cityhof-Hochhäuser – Abreissen oder Erhalten?

Debatte | So lange stehen die Cityhof-Hochhäuser am Klosterwall 2-8 noch gar nicht unter Denkmalschutz. Mit dem Inkrafttreten des neuen Denkmalschutzgesetzes in Hamburg zum 1. Mai 2013 wurden die Bauten vom sogenannten „erkannten“ Denkmal zu denkmalgeschützten Gebäuden. — 1954 wurde der Grundstein für die vier Hochhäuser gelegt. Geplant wurden die Bauten vom Hamburger Architekten Rudolf Klophaus und um 1958 fertiggestellt.

Der City Hof bezeichnet die Gruppe von vier Hochhäusern. Es waren dies die ersten Hochhäuser der Hamburger Innenstadt seit dem Bau des Klockmann-Hauses in den 1930er Jahren. Die Fassade des City Hofs war im Originalzustand mit quadratischen weißen Keramikplatten verkleidet und durch bündig sitzende Holzfenster gegliedert. Dieser Zustand wurde 1972 durch den Einsatz von Kunststofffenstern und eine Verkleidung der Fassade mit grauen Eternitplatten im Jahre 1977 grundlegend verändert. Die ursprüngliche Keramikfassade ist unter den Eternitplatten nach wie vor erhalten. Außerdem neu für Hamburg war eine integrierte Einkaufspassage.

Die aktuelle Empfehlung der Finanzbehörde an die Bürgerschaft den Gebäudekomplex  abzureissen, hat die Diskussion um den Cityhof wieder aufleben lassen. Die ZEIT schreibt: »Und diesmal ist es ernst. Das Bezirksamt will in den Neubauteil des Springer-Hochhauses ziehen. Zwar hat das Denkmalamt die City-Höfe, wie sie korrekt heißen, als “Dokument der Nachkriegsarchitektur” unter Schutz gestellt. Dennoch empfiehlt die Finanzbehörde der Bürgerschaft den Abriss. Die Bild- Zeitung wünscht sich die Sprengung, Oberbaudirektor Jörn Walter hält die Bauten für eine “architektonisch falsche Entscheidung”, weil sie sich “nicht in das Stadtgefüge” einpassten, und ein Onlinevoting im Hamburger Abendblatt ergab: 78 Prozent wollen den Abriss. Wenn sich Politik und Volksmeinung in Hamburg auf etwas einigen können, dann darauf: Weg mit den vier grauen Türmen!«

Braucht die Innenstadt an dieser ohne Zweifel prominenten Stelle wirklich ein neues Stadttor? Auf jeden Fall muss der Deichtorplatz verkehrlich neu geordnet werden. Aber was passiert mit dem ruhenden Verkehr im Quartier? Muss für die Neuorganisierung der Cityhof abgerissen werden? Oder reicht es nicht, die vorhandenen Tiefgaragenplätze für die Öffentlichkeit freizugeben? Gibt es im Bestand vielleicht noch andere Möglichkeiten Parkraum zu schaffen? Sämtliche Versuche im Kontorhausviertel selbst eine Tiefgarage zu planen, sind jedenfalls bisher gescheitert. Auf der anderen Seite muss das Quartier, dessen Ernennung zum Weltkulturerbe 2015 ansteht, auf jeden Fall vom ruhenden Verkehr befreit werden. Vor dem Chilehaus, aber auch auf dem Burchardplatz braucht es Spielraum, um den öffentlichen Raum adäquat gestalten zu können. Das formuliert nicht zuletzt das »Innenstadtkonzept Hamburg 2014«. Dort wird auch das Argument ins Feld geführt, dass die Blockrandbebauung rund um den Wallring hier aufgelöst wird. Kritiker wie der Landschaftsarchitekt und Vizepräsident der Hamburgischen Architektenkammer Berthold Eckebrecht führen dagegen ins Feld, dass ein neues Gebäude in Form einer Blockrandbebauung viel verstellen würde: »keine Durchsichten, keine Durchgänge, geringerer Lichteinfall, ein vermutlich hermetisches Riesengebäude, wenn es den Kontorhäusern nacheifern solle. Die besondere topographische Situation würde vermutlich negiert. Hier ist nämlich der Punkt, an dem der Wallring auf der Geest auf das Elbtal stößt! Auf der Westseite der Innenstadt markiert der Alte Elbpark diese Situation. Die Bürger in Mitte haben diesen gerade weitsichtig gegen die Seilbahn verteidigt.«

Wie steht es um die Argumente von Volkwin Marg, der im Hamburger Abendblatt (»Abriss stoppen, 400 Apartments schaffen«) gefordert hat, das Ensemble zu erhalten und vor allem Wohnen an dieser zentralen Stelle in der Innenstadt zu ermöglichen. Womit eine ganz andere Forderung des aktuellen Innenstadt-Konzeptes erfüllt würde?!

Einen Ausweg aus der »Für-und-Wider-Schlacht« um den Abriss zeigt die Pressemitteilung der Hamburger Architektenkammer vom 17. September 2014 auf. »Die Architektenkammer begrüßt die jüngste öffentliche Diskussion um das Schicksal der Cityhof-Hochhäuser. Angesichts der Bedeutung für Hamburgs bauliches Erbe ist es dringend notwendig, alle Möglichkeiten für Erhalt, Modernisierung und Umnutzung vorurteilsfrei zu prüfen.« Die HAK führt für den Erhalt ins Feld, dass die Cityhof-Hochhäuser im Hamburger Stadtorganismus nicht weniger verwurzelt und identitätsstiftend als die Grindel-Hochhäuser seien. Es wäre zudem ein fatales Signal an die privaten Immobilieneigentümer, wenn die Stadt letztlich aus ökonomischen Gründen den wohlbegründeten Denkmalschutz bei eigener Betroffenheit aufheben sollte. Welche Einsicht kann sie dann noch in ähnlichen Fällen von privater Seite erwarten? Und war es nicht die Stadt selbst, die mit einer misslungenen Sanierung in den 1970er Jahren die strahlend weißen Fassaden in den heutigen mausgrauen Zustand gebracht hat?

Die Präsidentin der HAK Karin Loosen fordert deshalb, den Denkmalschutz nicht aufzuheben und den anstehenden Investorenwettbewerb zumindest so zu gestalten, dass neben einem Neubebauungsvorschlag auch ein planerisches und finanzielles Angebot für den Erhalt des Ensembles erwartet wird.  Auf dieser konkreten Grundlage ließe sich dann die angemessene Diskussion um den Erhalt führen, die die Stadt der Öffentlichkeit bislang schuldig geblieben ist. So am 19. September 2013 – an diesem Tag hat die Bezirksversammlung Mitte den Antrag auf eine Transparenzoffensive — »Fachdiskussion um die Zukunft der City Hochhäuser (City-Hof) in einem öffentlichen Workshop« — abgelehnt.

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