Kategorie-Archiv: Wohnen

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Innenstädte – »Mehr als die Summe ihrer Nutzungen«

Es gibt kaum eine Stadt in Deutschland, in der nicht um die Belebung der Innenstadt gerungen wird. Die Funktion »Marktplatz« ist immer mehr auf dem Rückzug, da sich der Handel nicht nur auf die „Grüne Wiese“ verlagert sondern auch in das Internet. Können aber die Innenstädt nicht viel mehr? Sie sind doch auch Identifikationsort, kultureller Mittelpunkt, Schaufenster der Geschichte und Begegnungsort? Und entstehen nicht gerade auch immer mehr Wohnquartiere und Mischnutzungen (Gewerbe/Wohnen) in den Zentren deutscher Städte?

»Die Suche nach weiteren Standbeinen für eine Belebung der Innenstadt lenkt den Blick auf andere (komplementäre) Nutzungen und Funktionen städtischer Zentren sowie den öffentlichen Raum. Das Wohnen ist ein wichtiges Bindeglied zu anderen Nutzungen und die Innenstadt braucht Besitzende und Bewohnende, die das Zentrum mit Leben füllen. Mit der Rückkehr des Wohnens und des Alltagslebens in Innenstädte steigen nochmals die Anforderungen an die Benutzbarkeit und Aufenthaltsqualität der zentralen öffentlichen Räume. (…)«

Der Artikel »Die Innenstadt ist mehr als die Summe ihrer Nutzungen« von Ricarda Pätzold und Martin zur Nedden in „Difu-Berichte 1/2017“ kommt zu dem Schluss, dass es keine Patentrezepte gebe. Jede Stadt haben ihren eigenen Code und spezifische Rahmenbedingungen. Gefragt seien Vertrauen in Beständigkeit, Notwendigkeit und Wandelbarkeit der Zentren. »Auch wenn die Trends immer schneller wechseln, denke man nur an Flashmobs, Public Viewing oder Pokémons, es werden immer neue Anlässe gefunden werden, damit Menschen sich treffen und etwas erleben können.«

Weiterlesen:
„Difu-Berichte 1/2017“: »Die Innenstadt ist mehr als die Summe ihrer Nutzungen«

Mehr Informationen:
Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.) (2017): Kommunaler Umgang mit Gentrifizierung. Praxiserfahrungen aus acht Kommunen. Edition Difu, Band 15

Foto: Domplatte in Köln / Dezember 2016 © Hendrik Neubauer

 

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App für Senioren – Fit für das Leben im Quartier

Sehen wir den demografischen Wandel mal nicht nur unter der Pflegeperspektive. Ältere Menschen heute sind oft vitaler, gebildeter und sozial kompetenter als ihre Vorgänger. Außerdem zeigt diese Generation ein stärkeres Interesse an der aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Partner des Projekts „Quartier agil – Aktiv vor Ort“ wollen die Partizipation der Senioren in ihren Sozialräumen unterstützen und beleben. In dem vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) geförderten Projekt kooperieren die Hochschule für Gesundheit (hsg), die Hochschule Ruhr West (HRW), die Stadt Bochum, die Stadt Bottrop, die Diakonie-Ruhr sowie das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) in Dortmund.

Quartier meint die überschaubare Wohnumgebung und bezeichnet im Sprachgebrauch den sozialen Raum, mit dem sich die Bewohner besonders identifizieren. Für Menschen, deren Bewegungsradius mit zunehmendem Alter abnimmt, gewinnt das nähere Umfeld immer mehr an Bedeutung. Dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben steht die Frage gegenüber, welche Möglichkeiten bietet das Quartier und welche Wünsche bleiben offen? Die Wissenschaftler werden zunächst häufig frequentierte Anlaufstellen in den Erhebungsgebieten kartografisch erfassen. Ältere Menschen sollen dabei Auskunft über ihre eigene Lebensführung in ihrem Umfeld geben können und somit in den Gestaltungsprozess miteinbezogen werden. Auf der anderen Seite wollen die Forscher ein IT-gestütztes Angebot für ältere Menschen entwickeln, welches sie in ihrem Wohnquartier zu Aktivitäten anregt. In der Fachsprache nennt sich das Ambient Assisted Living und wir sprechen hier über sogenannte mitalternde IT-Architekturen für ein intelligent assistiertes Leben, wie sie von dem Projektpartner ISST erforscht und eingebracht werden. Es liegt in der Natur der Sache, hier geht es neben partizipatorischen gesellschaftlichen Angeboten genauso um die Sicherstellung von medizinischer und pflegerischer Versorgung.

Zur Kick-Off-Veranstaltung des Projekts „Quartier agil – Aktiv vor Ort“ trafen sich am 2. Februar 2016 die Projektpartner in der hsg in Bochum. Die hsg-Experten Prof. Dr. Christian Grüneberg, Prof. Dr. Sascha Sommer und Prof. Dr. Christian Thiel, die in dem Projekt für den Bereich der Mobilität und Kognition verantwortlich sind, waren sich darin einig, dass eine der Herausforderungen in der direkten Einbeziehung der Zielgruppe bestehe. Schlussendlich sei es wichtig, alle Erkenntnisse und Erfahrungen in ein Durchführungsmanual für den Transfer in andere Quartiere, Städte und Regionen münden zu lassen. „Am Ende soll ein Trainingsprogramm mit einer technischen Applikation zur Verfügung stehen, das ältere Menschen in ihrem häuslichen Umfeld und in Ihrem Wohnquartier nutzen können, um ihren Geist und ihren Körper gemeinsam zu trainieren, damit sie besser an der Gesellschaft teilhaben können“, sagte Prof. Dr. Oliver Koch (HRW), Projektleiter für die technische Entwicklung.

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: Hamburg © Hendrik Neubauer

 

 

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Verkehrslärm steigert das Risiko für Depressionen

Wer an vielbefahrenen Straßen wohnt, der lebt mit höheren Gesundheitsrisiken. Dauerlärm schlägt auf das Herz, das haben Studien hinlänglich bewiesen. Ständige Beschallung durch Verkehr belastet aber auch die Seele. Das belegt eine große Langzeitstudie der Universität Duisburg-Essen. Wissenschaftler vom Zentrum für Urbane Epidemiologie (CUE) haben 3300 Menschen zwischen 45 und 75 Jahren in Bochum, Essen und Mülheim an der Ruhr untersucht und ihre psychische Verfassung abgeglichen mit sogenannten Lärmkarten ihres Wohnortes.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren erfassten die Forscher regelmäßig den Gesundheitszustand der Teilnehmer. Wie sie im Fachmagazin “Environmental Health Perspectives” berichten, entwickelten jene, die an Straßen mit viel Verkehrslärm lebten, deutlich häufiger depressive Symptome als jene, die weniger Lärm in unmittelbarer Nähe ausgesetzt waren. Das Risiko, an lauten Straßen depressiv zu werden, steige demnach um etwa 25 Prozent. Vor allem Teilnehmer mit niedrigerem Bildungsstand reagierten empfindlich auf den Lärm. „Über die Gründe hierfür kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren“, so Ester Orban vom CUE. Möglicherweise hänge diese Empfindlichkeit damit zusammen, dass Menschen mit niedrigerer Bildung auch sonst im Leben mit mehr belastenden Situationen und Einflüssen umgehen müssten – und das ihre Widerstandsfähigkeit vermindere, vermuten die Experten. „Dies müssen aber zukünftige Studien gezielt untersuchen“, schaut Orban voraus und resümiert, „dass die Erkenntnisse erneut bestätigen, wie wichtig der Lärmschutz für die Gesundheit der Bevölkerung ist.“

Das Forschungsprojekt der CUE ist Teil der Heinz Nixdorf Recall Studie, die seit dem Jahr 2000 Menschen aus dem Ruhrgebiet regelmäßig untersucht und befragt. Mit dem Fokus auf Herzkreislauferkrankungen untersuchen die Wissenschaftler, welchen Einfluss die gebaute Stadt auf die Gesundheit der Menschen hat. Rund 4.800 Bürgerinnen und Bürger sind an diesem Langzeitprojekt beteiligt.

Mehr Informationen:

http://ehp.niehs.nih.gov/14-09400/

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Fotografie: © Hendrik Neubauer

 

 

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„Stadt, Land, Netz!“ 2015 – Innovationen für eine digitale Welt

Bereits heute werden in urbanen Zentren Unmengen an Daten erzeugt und genutzt. Auf dem Land sieht das noch etwas anders aus, aber die Digitalisierung schreitet auch hier immer weiter voran. Diese Erkenntnis ist fast eine Binsenweisheit. Umso wichtiger sind Innovationswettbewerbe wie „Ausgewählte Orte im Land der Ideen“, der seit 2006 von der Deutschen Bank gemeinsam mit der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgeschrieben wird. Jeder einzelne Gewinner steht für konkrete Innovationen. Betrachtet man darüber hinaus das gesamte Feld der 100 Preisträger, lassen sich fünf Metatrends herausfiltern. Das haben Experten des Fraunhofer IAO in ihrem Trendreport „Stadt, Land, Netz!“ analysiert.

Der Report 2015 stellt fest, Unternehmen treiben die digitalen Innovationen voran. Ihnen stehen wissenschaftliche Einrichtungen in nichts nach. Viele der Preisträger setzen ihre Projekte in relativ kurzer Zeit um, mit dem Ziel durch Digitalisierung und Automatisierung in Zukunft Zeit und Kosten einzusparen. Die digitale Zukunft macht die Fraunhofer-IAO-Studie in fünf Metatrends fest. Trend 1 will die Datenflut unter dem Motto „Wissen – Daten intelligent nutzen“ bewältigen. Intelligentes Wissensmanagement wird künftig zum entscheidenden Faktor. Trend 2 nimmt den „User“ ins Visier. „Netzfähig – Digitale Kompetenz erwerben“ meint, dass wir alle lernen müssen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Trend 3 „Klickbewusst – Bewusst surfen und Ressourcen sparen“ spiegelt die Einsicht wider, dass nichts umsonst ist in der digitalen Welt. Die ausgezeichneten Ideen wollen dazu beitragen, die Kosten für Gesellschaft und Umwelt zu reduzieren. Trend 4 will „Grenzüberschreitend – Systembarrieren überwinden“: In Zukunft soll es eine Schnittstelle für alles geben: eine Universalbedienung für das Leben, die jeder individuell und selbstbestimmt für sich nutzen könne. Last but not least gibt Trend 5 ein letztes großes Ziel aus: „Wandelbar – Technik, die sich anpasst“. Anpassungsfähige Systeme lernen, die Bedürfnisse und Vorlieben der Nutzer umzusetzen und passen sich automatisch an diese an.

In seiner Trendstudie zeichnet das Fraunhofer IAO auch eine Vision: In zehn Jahren werden Programmierkenntnisse für jedes Kind selbstverständlich sein. Im virtuellen Klassenzimmer werden auch die Fachleute lebenslang lernen müssen. Museen und Theater präsentieren sich dann via 3-D-Angeboten online im heimischen  Wohnzimmer. Intelligente Geräte denken überall automatisch mit. Wer möchte, kann den Arztbesuch per Mausklick von zu Hause aus erledigen.  Multifunktionale Wänden werden die Städte wieder begrünen. Währenddessen erobert das Internet der Dinge nicht nur unsere Haushalte, sondern auch die Natur und eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten, die Umwelt zu erfahren. Informationssharing wird dabei eine Selbstverständlichkeit – im Privaten wie im Beruf. Wird 2025 unser „Stadt, Land, Netz“ so aussehen?

Mehr Informationen:

http://trendreport.deutschland-vernetzt.de/

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: © Hendrik Neubauer

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Wohnungsleerstand in Deutschland – Auf die Quote kommt es an

Sobald über Wohnungs- und Städtebau diskutiert wird, taucht sie auf. Die Leerstandsquote. Doch die Geister scheiden sich, wenn es um die Einschätzung der Quote geht. Der Stadtplaner und der Immobilienmakler reden oft aneinander vorbei, da der Begriff bisher nicht klar definiert ist, und jeder den Wohnungsbestand aus seiner Perspektive bewertet. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig schlagen deshalb eine systematische Kategorisierung des Wohnungsleerstandes vor.

Ist ein Leerstand von sechs Prozent noch als moderat zu bewerten oder müssen dann bereits die Alarmglocken läuten? „Das hängt von der Perspektive ab“, sagt Professor Dieter Rink, Stadtsoziologe am UFZ. Für Wohnungssuchende sei er nicht problematisch – im Gegenteil, sie können sich über eine breite Auswahl und fallende Miet- und Hauspreise freuen. Für Eigentümer und Immobilien- und Wohnungsunternehmen sehe das ganz anders aus, denn sie haben bei solch einer Quote Probleme mit der Vermarktung. Auch die Bezugsgrößen variieren. Der Makler bestimmt den „Leerstand“ aus der Zahl leerer Wohnungen, die er vermarkten kann. Der Stadtplaner legt die Gesamtheit der leerstehenden Wohnungen zugrunde, inklusive der Bestände, die saniert oder modernisiert werden müssen oder gar ruinös sind.
Die Forscher des UFZ haben eine Systematik entwickelt, die Leerstand quantitativ und qualitativ bewertet – unter Berücksichtigung der verschiedenen Perspektiven. Sie schlagen eine Kategorisierung in sieben Klassen vor.  Diese reichen von „sehr niedrig“ (unter zwei Prozent) bis „extrem“ (über 15 Prozent). Als „angemessen“ wird Leerstand in der Spanne von drei bis fünf Prozent betrachtet. „Beispielsweise muss berücksichtigt werden, ob es sich um Mietwohnungs- oder Eigentumsmärkte, ländliche, großstädtische oder metropolitane Märkte beziehungsweise schrumpfende oder wachsende Märkte handelt“, betont Rink. Angewendet haben die Wissenschaftler ihre Methode auf die Daten der bislang einzigen flächendeckenden Gebäude- und Wohnungszählung von 2011, die im letzten Jahr publiziert worden sind.

Die Studie offenbart Trends in einem dynamischen Markt. In etwa einem Drittel der Kommunen steht mit 4,4 Prozent eine „angemessene“ Zahl an Wohnungen leer. Weiterhin zeigt sich ein klarer Ost-West-Unterschied, der westdeutsche Wert liegt unter dem im Osten. Es gilt jedoch hier wie dort genau zu analysieren. Aktuelle Empfehlungen für die Wohnraumpolitik können aus den ermittelten Quoten der Studie nicht abgeleitet werden, dafür ist der Datenbestand nicht aktuell genug. Die Anwendung der Leerstands-Kategorien verleiht der Diskussion jedoch eine neue Tiefenschärfe in der Analyse. Sie ermöglicht eine differenzierte Betrachtungsweise und zeigt bundesweit, dass Leerstand und Knappheit räumlich und zeitlich oft nebeneinander existieren. Künftige Debatten um Leerstandsquoten können fortan eindeutiger geführt werden, die Kategorien müssen sich nur durchsetzen.

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=36490

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

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Leerstandsquoten in deutschen Gemeinden 2011

UFZ (Datengrundlage: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014c)

 

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„Hilf dir selbst…“ – Bürgerengagement braucht Ermöglichungskultur

Kindergartenplätze sind Mangelware. Hallenbäder werden geschlossen. Vereine haben keine Räumlichkeiten. In Zeiten des demografischen Wandels und sinkender Bugdets mangelt es vielerorts an der Grundversorgung. Insbesondere kleine Städte und Gemeinden im ländlichen Raum fragen sich, wie sie die steigende Nachfrage an sogenannter Daseinsvorsorge finanzieren sollen. Der Problemdruck steigt und gleichzeitig engagieren sich immer mehr Bürger, um pragmatische und innovative Lösungen zu entwickeln. In einer Studie für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und das Bundesumweltministerium hat das Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) eine Bestandsaufnahme neuartiger Kooperationen und Finanzierungsmodelle im Bereich der sozialen und kulturellen Infrastruktur unternommen.

Die Studie identifiziert insgesamt 160 Projekte und Initiativen. Darüber hinaus wurden 11 Fallbeispiele im Hinblick auf ihre zentralen Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren analysiert. Im Fall aus Olfen im südlichen Münsterland gründeten Bürger die Stiftung „Unser Leohaus“ und belebten das 2006 aufgegebene, ehemals kirchliche Gemeindehaus wieder. Das Projekt wurde von der öffentlichen Hand bei der Konzeptentwicklung und in der Bauphase mit Rat und Tat unterstützt, nun steht in diesem November die Eröffnung bevor. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich bundesweit in sozialen und kulturellen Bereichen eine neue Verantwortungsteilung zwischen Kommune und Bürgerschaft bildet. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen sich stärker beteiligen und sich nach ihren Möglichkeiten für ihre Kommune engagieren: als Wissensgeber, als Co-Produzent statt reiner Konsument öffentlicher Leistungen oder als Geldgeber. „Kommunen sollten für dieses Engagement offen sein und eine Ermöglichungskultur im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe schaffen“, so das Forscherteam um Dr. Stefan Gärtner, Leiter des Forschungsschwerpunkts Raumkapital am IAT. Gleichzeitig ständen die Kommunen aber weiterhin in der Verantwortung als Gewährleistungsinstanz für ein weiterhin angemessenes Angebot der Daseinsvorsorge.
Projekte sind laut der Studie besonders dann erfolgreich, wenn sie von engagierten Ehrenamtlern getragen werden, die es immer wieder schaffen, andere Menschen zu motivieren. Für Menschen, die aktiv werden wollen, gibt es nun auch einen Leitfaden speziell zum Thema Daseinsvorsorge. Die Empfehlungen reichen bis hin zu möglichen Rechts- und Organisationsformen sowie Fragen der Finanzierung. Der Ratgeber zeigt aber auch Kommunen Möglichkeiten auf, wie bei Bürgerinnen und Bürger Hemmschwellen abgebaut werden können, die Aufgaben vor ihrer Haustür selber mitanzupacken.

Foto: Bürgerschaftliches Engagement beim Bau des Leohauses in Olfen © Bürgerstiftung Leohaus/Gaby Wiefel

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

 

 

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Post Carbon City – Die Wege zur Zukunftsstadt sind verschlungen

Die Klima- und Umweltfrage kletterte in den letzten Jahrzehnten auf der Prioritätenliste vieler Städte immer weiter nach oben. Aber hängt die Entwicklung hin zur Zukunftsstadt allein an dem Kriterium „CO2-neutrale Stadt“? Diese Fokussierung kann der Realität in den Städten nicht gerecht werden, sind doch darüber hinaus auch drängende soziale,wirtschaftliche, planerische und politische Fragen zu beantworten. Als Perspektive für die Forschung und die Praxis ist sie aber aufschlußreich. So lautet die Arbeitshypothese des EU-Projektes „Post-Carbon Cities of Tomorrow“, an dem das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) gemeinsam mit zwölf europäischen Partnern forscht.

Als ersten Meilenstein formulierten die Forscher eine Definition einer Post-Carbon City und nahmen dies als Grundlage für die weitere Arbeit im Projekt. Im zweiten Schritt inventarisierten sie vorbildliche Praktiken und Vorreiterstädte. Zu diesen zählt auch Freiburg im Breisgau. „Eine ökologische Leitidee wie in Freiburg ist erst wirklich nachhaltig, wenn sie dauerhaft ökonomisch und sozial tragfähig ist“, erläutert Dr. Ross Beveridge, Mitarbeiter am IRS. Das Beispiel zeige auch, dass es zunächst die Rahmenbedingungen vor Ort zu erkennen gelte, um danach die Mittel zu wählen. Es gäbe keine allgemeingültigen Pläne für eine nachhaltige Stadtentwicklung. „Wir möchten, dass eine Kleinstadt in Finnland ebenso wie eine Metropole wie Berlin befähigt wird, aus dem großen Reservoir an Vorreiter-Initiativen etwas Passfähiges zu selektieren und es im eigenen Kontext zu implementieren“, erklärt Beveridge.

Mit diesen Vorarbeiten geht das Projekt nun in seine weiteren Projektphasen, in denen in acht europäischen Städten detaillierte Fallstudien erstellt werden. Unter Einbeziehung der Politik und der Bürger soll eine Vision und eine Roadmap für den Zeitraum bis zum Jahr 2050 entwickelt werden. Die Projektpartner werden darüber hinaus ihre Erkenntnisse auf einem „Marketplace of Ideas“ zusammentragen. Die Plattform soll als Ressourcen-Pool und Motivation für Städte weltweit dienen, um die ersten eigenen Schritte zur Nachhaltigkeit zu gehen. Die Entwicklungsschwellen seien gar nicht so hoch, schließt Professorin Dr. Kristine Kern vom IRS: „Unsere Inventur hat gezeigt, dass wir die Stadt nicht gänzlich neu erfinden müssen, um sie fit für die Zukunft zu machen.“

Weitere Informationen:

http://www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-2/pocacito/IRS-Aktuell-83-Post-Carbon%20Cities.pdf

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: Ein auf Solar-Energie-Gewinnung optimiertes neues Stadtviertel in Freiburg – ein Beispiel für eine „good practice“ im Sinne des post-fossilen Umbaus der Städte.  ©Andrewglaser/commons.wikimedia.org

 

 

Wohnen – Ein weltweites Problem

Notiz | Laut einer McKinsey-Studie werden sich 2025 weltweit 440 Millionen Haushalte in Großstädten keine akzeptablen Wohnungen mehr leisten können. Immer mehr Menschen in den Mega-Citys leben in Slums, Wohnraum in Städten wird für Geringverdiener immer knapper. Derzeit rechnet die Studie mit weltweit 330 Millionen urbanen Haushalte, die in prekären Wohnverhälnissen leben. — Dies sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des McKinsey Global Instituts (MGI) mit dem Titel “A blueprint for adressing the global affordable housing challenge”. Das MGI analysiert darin weltweit die Immobilienpreise in 2.400 städtischen Metropolen. Als geeignete Maßnahmen, um diesem Trend entgegenzuwirken, schlägt das MGI u.a. die bessere Ausnutzung zur Verfügung stehender Flächen, die Reduzierung von Bau- und Betriebskosten sowie veränderte Rahmenbedingungen zur Hausfinanzierung vor.