Kategorie-Archiv: Klimawandel

MFG5-Areal, Kiel-Holtenau

Interaktiver Atlas demonstriert die Folgen des Klimawandels

Zwei Wochen lang wird ab dem 30. November 2015 auf der 21st Conference of the Parties (COP21) in Paris über das Weltklima verhandelt. Zu den Themen zählt auch das Zwei-Grad-Ziel, das 2010 auf der UN-Klimakonferenz von Cancun bereits als rechtlich bindend anerkannt wurde. Dieses Ziel haben Wissenschaftler aus 29 Forschungsinstituten in den vergangenen vier Jahren im Rahmen des EU-Projektes IMPACT2C ins Visier genommen und einen interaktiven Atlas entwickelt. Mit wenigen Klicks in diesem Webatlas lässt sich online verfolgen, dass eine globale Erwärmung von nur 2 Grad C zu Veränderungen in vielen Lebensbereichen führen wird.

Das Projekt IMPACT2C hat untersucht, wie sich der Temperaturanstieg auf Klima, Energie, Gesundheit, Land- und Forstwirtschaft sowie Ökosysteme, Wasser, Tourismus, Küsten in Europa und außereuropäische Hotspots auswirkt. Es zeigt sich, dass nicht nur Afrika und die Inselstaaten von der Erwärmung getroffen werden. Auch in Europa werden die Temperaturen in bestimmten Regionen um zwei Grad steigen, das gehe einher mit Hitzewellen, aber auch Starkniederschläge nehmen zu. Für die Hafenstadt Dublin prognostizieren die Forscher steigende Hochwasserschutzkosten um 50 Prozent, Amsterdam, Rotterdam und Hamburg bleiben dagegen im bisherigen finanziellen Rahmen. Es gebe aber auch unerwartete Entwicklungen, so werde sich der Klimawandel negativ auf die weltweite Landwirtschaft auswirken, die Europäer werden ihre Produktion jedoch um 30 Prozent erhöhen. Der weltweite Effekt werde durch die bis dahin zu erwartende technologische Weiterentwicklung in Europa überkompensiert. „Dies veranschaulicht, wie wichtig es ist, in Bezug auf mögliche Klimawandelfolgen das betrachtete System ganzheitlich zu simulieren und nicht nur einzelne Komponenten daraus zu betrachten“, betont Dr. Daniela Jacob. Die Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS) in Hamburg hat das Projekt koordiniert.
Die Klimaforscherin Jacob hofft, mit dem Projekt IMPACT2C und dem Web-Atlas die Diskussionen auf der COP21 nachhaltig zu bereichern. Paris müsse das Zwei-Grad-Ziel noch einmal ausdrücklich bestätigen. „Bei einem stärkeren Temperaturanstieg als 2 Grad C wäre es deutlich schwieriger, mit den Folgen umzugehen“, betont Frau Dr. Daniela Jacob. Auch das zeigt der IMPACT2C Web-Atlas an einigen ausgewählten Fallstudien.
Weitere Informationen:

https://www.atlas.impact2c.eu/en/

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: © Hendrik Neubauer

 

 

Hamburg Wilhelmsburg

„Vorhersage“ für Stadtplaner: Lärm, Feinstaub und Hitze verringern

Lärm und Luftverschmutzung können ernste körperliche, psychische und soziale Folgen haben. Auch übermäßige und langandauernde Hitze vesetzt uns in Stress. Wie können Stadtplaner in Zukunft diese Gefahren für Stadtbewohner verringern? Gründerzeitviertel, Trabantenstadt, Einfamilienhäuser in der Vorstadt – anhand verschiedener Bebauungsstrukturen lässt sich vorhersagen, wie stark Menschen in urbanen Milieus Lärm und Feinstaub sowie hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Fallstudien der Humboldt Universität zu Berlin und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), die diese Zusammenhänge anhand von Daten aus Leipzig untersucht hatten.

Leipzig hat seit der Wiedervereinigung 1990 einen drastischen Strukturwandel erlebt und weist typische Stadtentwicklungsmuster auf. Die Forscher fokussierten sich auf Wohngebiete und klassifizierten die verschiedenen Bebauungsformen in sieben Gruppen. In Schlaglichtern lassen sich die Ergebnisse der Studien so zusammenfassen. Die Bebauung bestimmt, wie sich Lärm und Feinstaub in Wohngebieten ausbreiten. Bestimmte Gebäudestrukturen puffern Lärm- und Luftbelastung effektiver ab als andere. Städter mit einem niedrigen sozial-ökonomischen Entwicklungsindex leben oft mit hoher Luftbelastung und sind somit doppelt benachteiligt. In Plattenbausiedlungen und mehrstöckigen Mietskasernen heizt sich die Luft im Sommer besonders auf, umso wichtiger sind Stadtgrün und Wasserflächen in der Nähe von Wohngebieten für das Klima einer Stadt. Der Zusammenhang zwischen Siedlungsstrukturen und Oberflächentemperaturen gilt auch für Berlin und New York. Das bestätigte sich in der Zusammenarbeit mit  dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der New Yorker Universität The New School.

Vorhersagen für Umweltbelastungen in Wohngebieten sind möglich, so die Studien, und sie sollten in Zukunft stärker bei Bauplanungen berücksichtigt werden. Das zumindest fordert die Europäische Umweltagentur (EUA) in Anbetracht der Belastungen, denen europäische Stadtbewohner momentan ausgesetzt sind.

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=34361

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto © Hendrik Neubauer

 

MT_PostCarbonCity

Post Carbon City – Die Wege zur Zukunftsstadt sind verschlungen

Die Klima- und Umweltfrage kletterte in den letzten Jahrzehnten auf der Prioritätenliste vieler Städte immer weiter nach oben. Aber hängt die Entwicklung hin zur Zukunftsstadt allein an dem Kriterium „CO2-neutrale Stadt“? Diese Fokussierung kann der Realität in den Städten nicht gerecht werden, sind doch darüber hinaus auch drängende soziale,wirtschaftliche, planerische und politische Fragen zu beantworten. Als Perspektive für die Forschung und die Praxis ist sie aber aufschlußreich. So lautet die Arbeitshypothese des EU-Projektes „Post-Carbon Cities of Tomorrow“, an dem das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) gemeinsam mit zwölf europäischen Partnern forscht.

Als ersten Meilenstein formulierten die Forscher eine Definition einer Post-Carbon City und nahmen dies als Grundlage für die weitere Arbeit im Projekt. Im zweiten Schritt inventarisierten sie vorbildliche Praktiken und Vorreiterstädte. Zu diesen zählt auch Freiburg im Breisgau. „Eine ökologische Leitidee wie in Freiburg ist erst wirklich nachhaltig, wenn sie dauerhaft ökonomisch und sozial tragfähig ist“, erläutert Dr. Ross Beveridge, Mitarbeiter am IRS. Das Beispiel zeige auch, dass es zunächst die Rahmenbedingungen vor Ort zu erkennen gelte, um danach die Mittel zu wählen. Es gäbe keine allgemeingültigen Pläne für eine nachhaltige Stadtentwicklung. „Wir möchten, dass eine Kleinstadt in Finnland ebenso wie eine Metropole wie Berlin befähigt wird, aus dem großen Reservoir an Vorreiter-Initiativen etwas Passfähiges zu selektieren und es im eigenen Kontext zu implementieren“, erklärt Beveridge.

Mit diesen Vorarbeiten geht das Projekt nun in seine weiteren Projektphasen, in denen in acht europäischen Städten detaillierte Fallstudien erstellt werden. Unter Einbeziehung der Politik und der Bürger soll eine Vision und eine Roadmap für den Zeitraum bis zum Jahr 2050 entwickelt werden. Die Projektpartner werden darüber hinaus ihre Erkenntnisse auf einem „Marketplace of Ideas“ zusammentragen. Die Plattform soll als Ressourcen-Pool und Motivation für Städte weltweit dienen, um die ersten eigenen Schritte zur Nachhaltigkeit zu gehen. Die Entwicklungsschwellen seien gar nicht so hoch, schließt Professorin Dr. Kristine Kern vom IRS: „Unsere Inventur hat gezeigt, dass wir die Stadt nicht gänzlich neu erfinden müssen, um sie fit für die Zukunft zu machen.“

Weitere Informationen:

http://www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-2/pocacito/IRS-Aktuell-83-Post-Carbon%20Cities.pdf

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: Ein auf Solar-Energie-Gewinnung optimiertes neues Stadtviertel in Freiburg – ein Beispiel für eine „good practice“ im Sinne des post-fossilen Umbaus der Städte.  ©Andrewglaser/commons.wikimedia.org