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Brauweiler – Ein Standort mit Potenzial

 

Standortcheck Brauweiler. Eine kurze Potenzialbetrachtung.

Städte und Gemeinden stehen vor der wachsenden Herausforderungen an ihre Entwicklung. Ein Stadtteil wie Brauweiler funktioniert nicht mehr so wie vor noch 10 Jahren, und das liegt nicht (nur) an der momentanen städtebaulichen und verkehrlichen Entwicklung innerhalb des Ortes. Der bundesweite Vergleich zeigt, dass Stadtteile wie Brauweiler oftmals ausbluten, weil Handel und Gewerbe die Ortskerne verlassen.

Dieses Papier plädiert für den aktiven Umbau Brauweilers. Maßgaben für den Umbau stellen der aktuelle demografische und strukturelle Wandel im Kölner Westen und im Rhein-Erft-Kreis dar. Eine erste Stärken-Schwächen-Analyse ergibt zum Beispiel, dass Brauweiler aufgrund der Vielzahl seiner Angebote ein „heimlicher“ Gesundheitsstandort ist. Auch auf die Abtei richtet der Fokus des Papiers. Auch deren Potenzial und Strahlkraft auf das direkte Umfeld ist längst nicht ausgereizt.

Im Rahmen der Stadtentwicklung gibt es mehrere Instrumente, diese Stärken-Schwächen-Analyse in einer Gesamtbetrachtung voranzutreiben und die Ergebnisse in gesamtheitliche Konzepte einfließen zu lassen, die alle Entwicklungsaspekte wie Städtebau, Soziale Infrastruktur, Wirtschaft und Verkehr miteinbeziehen. Zum einen bietet sich das planerische Instrument des Masterplans an, zum anderen das Instrument Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Sowohl für die Entwicklung eines Masterplans wie eines ISEK können Bundes- und Landesmittel eingeworben werden.

Brauweiler (ist) ein Gesundheitsstandort?

Es gibt eine Vielzahl an Allgemeinmediziner und Fachärzten im Abteiort. Dieses Angebot wird durch zahlreiche physiotherapeutische und  andere gesundsheitsmedizinische Angebote ergänzt. Am Guidelplatz gibt es ein Fitnessstudio, das mit wertigen Angeboten gut angenommen wird. Ein Optiker und zwei Hörgeräteakustiker sind vor Ort.  Drei Pflegedienste sind in Brauweiler angesiedelt. Am Ortseingang Mathildenstraße gibt es das ProMedik Gesundheitshaus. Der Fahrdienst Wemont für Krankenfahrten agiert von der Donatusstraße aus.

Ist das vielfältige Angebot im Umland und vor allem im Kölner Westen bekannt? Wer Ärzte und Gesundheitsangebote wahrnimmt, der lernt Brauweiler kennen und wird in der Folge auch Einkäufe vor Ort erledigen.

Wie ist der Gesundheitsstandort Brauweiler (weiter) zu entwickeln?

  • Quantitative Bestandsaufnahme (Ärzte- und Gesundheitskatalog Brauweiler)
  • Bewertung des Immobilienbestandes für derartige Angebote
  • Identifizierung von Versorgungslücken im Gesamtangebot
  • Kontaktaufnahme zu Berufsverbänden und Ärztlichen Vereinigungen
  • Arbeitskreis von Ärzten und Anbietern, initiiert von der BIG
  • Entwicklung eines Standortkonzeptes: Gesundheitsstandort Brauweiler

Maßnahmen:

  • Barrierefreiheit im öffentlichen Raum
  • Gemeinschaftswerbung
  • Aktive Ansprache von Ärzten und Anbietern
  • Events wie jährliche Gesundheitsmesse in der Abtei Brauweiler

Brauweiler (ist) ein Touristenmagnet?
Die Abtei Brauweiler, die zugehörige Kirche St. Nikolaus und der Abteipark bieten ein Potenzial für touristische und kulturelle Angebote, das längst noch nicht ausgeschöpft ist. Brauweiler steht heute in der allgemeinen kulturellen Wahrnehmung für Kirchenkonzerte, Klassische Musik und Kunst im weitesten Sinne. Die Tatsache, dass Brauweiler am Jakobsweg liegt, ist völlig außer Acht geraten und wird durch eine unauffällige Besucherinformationsstele vor St. Nikolaus dokumentiert. Und doch verirren sich ab und an auch Pilger in den Abteiort. Hier werden Möglichkeiten verschenkt.

Ist Brauweiler gemessen an seiner kulturhistorischen Bedeutung adäquat (re)präsentiert? Touristen, die in Zukunft die Anlage und entsprechend ausgebaute Angebote wahrnehmen, bringen zumindest Bewegung in die Gastronomie und Hotellerie.

Wie ist der Tourismusstandort Brauweiler (weiter) zu entwickeln?

  • Stärken-/Schwächen-Analyse
  • Betrachtung Brauweiler innerhalb der Stadt / des Rhein-Erftkreises / des Bundeslands
  • Arbeitskreis Touristik: Stadt, Gold-Kraemer-Stiftung, BIG, Kreis.
  • Entwicklung eines Tourismuskonzeptes

Maßnahmen:

  • Pilgerhostel, Pilgerführungen, Pilgerstempel, Pilgerkarte, Pilgerroute
  • Erweiterung des Fest- und Veranstaltungskalender
  • Sanierungsbedarf rund um die Abtei reklamieren und durchführen
  • Attraktivierung des Grünraums und des öffentlichen Raums zum Dorf hin
  • Neues Möblierungs- und Lichtkonzept
  • Weiterverfolgung und Durchsetzung des Schaumagazins im Abteipark
  • Prüfung, welch öffentlichkeitswirksamen Angebote zum Beispiel zum Thema Bücher und Archive entwickelt werden können (vorgegeben durch das Archivzentrum LVR)
  • Weiterentwicklung einer touristischen Infrastruktur (Gastronomie, Hotels)
  • Medien für Touristen wie Führungsapp für das Smartphone, Postkarten, Kalender, Literatur, Ausbau der Freundeskreis-Webseite

Kurzes Fazit
Es geht darum die Stärken Brauweilers herauszuarbeiten und darauf ganzheitliche Konzepte aufzusetzen, die die Themen Städtebau, Einzelhandel und Dienstleistungen, Wohnen und Freizeit, Kultur und Dorfleben sowie den Aspekt Verkehr zusammendenken. Die BIG kann Anstöße zu diesem Prozess geben. Der Impuls muss jedoch von der Stadt Pulheim ausgehen, die dann alle wichtigen Akteure wie die Gold-Kraemer-Stiftung, den LVR, den FAB, die BIG und Vertreter aus der Politik einbindet. Bei der Frage Masterplan oder ISEK ist der große Unterschied, das bei der Entstehung eines Integrierten Stadtentwicklungsprozesses ein wesentlich größeres Maß an Bürgerbeteiligung Bestandteil des Prozesses ist. Der Masterplan hingegen bezieht nur ausgewählte Vertreter der Stadtgesellschaft ein. Man muss kein Prophet sein, wofür sich die Stadt Pulheim im Falle eines Falles entscheiden wird.

Hendrik Neubauer, Brauweiler, 12. September 2013

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