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„Stadt, Land, Netz!“ 2015 – Innovationen für eine digitale Welt

Bereits heute werden in urbanen Zentren Unmengen an Daten erzeugt und genutzt. Auf dem Land sieht das noch etwas anders aus, aber die Digitalisierung schreitet auch hier immer weiter voran. Diese Erkenntnis ist fast eine Binsenweisheit. Umso wichtiger sind Innovationswettbewerbe wie „Ausgewählte Orte im Land der Ideen“, der seit 2006 von der Deutschen Bank gemeinsam mit der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgeschrieben wird. Jeder einzelne Gewinner steht für konkrete Innovationen. Betrachtet man darüber hinaus das gesamte Feld der 100 Preisträger, lassen sich fünf Metatrends herausfiltern. Das haben Experten des Fraunhofer IAO in ihrem Trendreport „Stadt, Land, Netz!“ analysiert.

Der Report 2015 stellt fest, Unternehmen treiben die digitalen Innovationen voran. Ihnen stehen wissenschaftliche Einrichtungen in nichts nach. Viele der Preisträger setzen ihre Projekte in relativ kurzer Zeit um, mit dem Ziel durch Digitalisierung und Automatisierung in Zukunft Zeit und Kosten einzusparen. Die digitale Zukunft macht die Fraunhofer-IAO-Studie in fünf Metatrends fest. Trend 1 will die Datenflut unter dem Motto „Wissen – Daten intelligent nutzen“ bewältigen. Intelligentes Wissensmanagement wird künftig zum entscheidenden Faktor. Trend 2 nimmt den „User“ ins Visier. „Netzfähig – Digitale Kompetenz erwerben“ meint, dass wir alle lernen müssen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Trend 3 „Klickbewusst – Bewusst surfen und Ressourcen sparen“ spiegelt die Einsicht wider, dass nichts umsonst ist in der digitalen Welt. Die ausgezeichneten Ideen wollen dazu beitragen, die Kosten für Gesellschaft und Umwelt zu reduzieren. Trend 4 will „Grenzüberschreitend – Systembarrieren überwinden“: In Zukunft soll es eine Schnittstelle für alles geben: eine Universalbedienung für das Leben, die jeder individuell und selbstbestimmt für sich nutzen könne. Last but not least gibt Trend 5 ein letztes großes Ziel aus: „Wandelbar – Technik, die sich anpasst“. Anpassungsfähige Systeme lernen, die Bedürfnisse und Vorlieben der Nutzer umzusetzen und passen sich automatisch an diese an.

In seiner Trendstudie zeichnet das Fraunhofer IAO auch eine Vision: In zehn Jahren werden Programmierkenntnisse für jedes Kind selbstverständlich sein. Im virtuellen Klassenzimmer werden auch die Fachleute lebenslang lernen müssen. Museen und Theater präsentieren sich dann via 3-D-Angeboten online im heimischen  Wohnzimmer. Intelligente Geräte denken überall automatisch mit. Wer möchte, kann den Arztbesuch per Mausklick von zu Hause aus erledigen.  Multifunktionale Wänden werden die Städte wieder begrünen. Währenddessen erobert das Internet der Dinge nicht nur unsere Haushalte, sondern auch die Natur und eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten, die Umwelt zu erfahren. Informationssharing wird dabei eine Selbstverständlichkeit – im Privaten wie im Beruf. Wird 2025 unser „Stadt, Land, Netz“ so aussehen?

Mehr Informationen:

http://trendreport.deutschland-vernetzt.de/

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

Foto: © Hendrik Neubauer

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Wohnungsleerstand in Deutschland – Auf die Quote kommt es an

Sobald über Wohnungs- und Städtebau diskutiert wird, taucht sie auf. Die Leerstandsquote. Doch die Geister scheiden sich, wenn es um die Einschätzung der Quote geht. Der Stadtplaner und der Immobilienmakler reden oft aneinander vorbei, da der Begriff bisher nicht klar definiert ist, und jeder den Wohnungsbestand aus seiner Perspektive bewertet. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig schlagen deshalb eine systematische Kategorisierung des Wohnungsleerstandes vor.

Ist ein Leerstand von sechs Prozent noch als moderat zu bewerten oder müssen dann bereits die Alarmglocken läuten? „Das hängt von der Perspektive ab“, sagt Professor Dieter Rink, Stadtsoziologe am UFZ. Für Wohnungssuchende sei er nicht problematisch – im Gegenteil, sie können sich über eine breite Auswahl und fallende Miet- und Hauspreise freuen. Für Eigentümer und Immobilien- und Wohnungsunternehmen sehe das ganz anders aus, denn sie haben bei solch einer Quote Probleme mit der Vermarktung. Auch die Bezugsgrößen variieren. Der Makler bestimmt den „Leerstand“ aus der Zahl leerer Wohnungen, die er vermarkten kann. Der Stadtplaner legt die Gesamtheit der leerstehenden Wohnungen zugrunde, inklusive der Bestände, die saniert oder modernisiert werden müssen oder gar ruinös sind.
Die Forscher des UFZ haben eine Systematik entwickelt, die Leerstand quantitativ und qualitativ bewertet – unter Berücksichtigung der verschiedenen Perspektiven. Sie schlagen eine Kategorisierung in sieben Klassen vor.  Diese reichen von „sehr niedrig“ (unter zwei Prozent) bis „extrem“ (über 15 Prozent). Als „angemessen“ wird Leerstand in der Spanne von drei bis fünf Prozent betrachtet. „Beispielsweise muss berücksichtigt werden, ob es sich um Mietwohnungs- oder Eigentumsmärkte, ländliche, großstädtische oder metropolitane Märkte beziehungsweise schrumpfende oder wachsende Märkte handelt“, betont Rink. Angewendet haben die Wissenschaftler ihre Methode auf die Daten der bislang einzigen flächendeckenden Gebäude- und Wohnungszählung von 2011, die im letzten Jahr publiziert worden sind.

Die Studie offenbart Trends in einem dynamischen Markt. In etwa einem Drittel der Kommunen steht mit 4,4 Prozent eine „angemessene“ Zahl an Wohnungen leer. Weiterhin zeigt sich ein klarer Ost-West-Unterschied, der westdeutsche Wert liegt unter dem im Osten. Es gilt jedoch hier wie dort genau zu analysieren. Aktuelle Empfehlungen für die Wohnraumpolitik können aus den ermittelten Quoten der Studie nicht abgeleitet werden, dafür ist der Datenbestand nicht aktuell genug. Die Anwendung der Leerstands-Kategorien verleiht der Diskussion jedoch eine neue Tiefenschärfe in der Analyse. Sie ermöglicht eine differenzierte Betrachtungsweise und zeigt bundesweit, dass Leerstand und Knappheit räumlich und zeitlich oft nebeneinander existieren. Künftige Debatten um Leerstandsquoten können fortan eindeutiger geführt werden, die Kategorien müssen sich nur durchsetzen.

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=36490

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.

MT_Wohnungsleerstand

Leerstandsquoten in deutschen Gemeinden 2011

UFZ (Datengrundlage: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014c)

 

MT_Buergerengagement

„Hilf dir selbst…“ – Bürgerengagement braucht Ermöglichungskultur

Kindergartenplätze sind Mangelware. Hallenbäder werden geschlossen. Vereine haben keine Räumlichkeiten. In Zeiten des demografischen Wandels und sinkender Bugdets mangelt es vielerorts an der Grundversorgung. Insbesondere kleine Städte und Gemeinden im ländlichen Raum fragen sich, wie sie die steigende Nachfrage an sogenannter Daseinsvorsorge finanzieren sollen. Der Problemdruck steigt und gleichzeitig engagieren sich immer mehr Bürger, um pragmatische und innovative Lösungen zu entwickeln. In einer Studie für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und das Bundesumweltministerium hat das Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) eine Bestandsaufnahme neuartiger Kooperationen und Finanzierungsmodelle im Bereich der sozialen und kulturellen Infrastruktur unternommen.

Die Studie identifiziert insgesamt 160 Projekte und Initiativen. Darüber hinaus wurden 11 Fallbeispiele im Hinblick auf ihre zentralen Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren analysiert. Im Fall aus Olfen im südlichen Münsterland gründeten Bürger die Stiftung „Unser Leohaus“ und belebten das 2006 aufgegebene, ehemals kirchliche Gemeindehaus wieder. Das Projekt wurde von der öffentlichen Hand bei der Konzeptentwicklung und in der Bauphase mit Rat und Tat unterstützt, nun steht in diesem November die Eröffnung bevor. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich bundesweit in sozialen und kulturellen Bereichen eine neue Verantwortungsteilung zwischen Kommune und Bürgerschaft bildet. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen sich stärker beteiligen und sich nach ihren Möglichkeiten für ihre Kommune engagieren: als Wissensgeber, als Co-Produzent statt reiner Konsument öffentlicher Leistungen oder als Geldgeber. „Kommunen sollten für dieses Engagement offen sein und eine Ermöglichungskultur im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe schaffen“, so das Forscherteam um Dr. Stefan Gärtner, Leiter des Forschungsschwerpunkts Raumkapital am IAT. Gleichzeitig ständen die Kommunen aber weiterhin in der Verantwortung als Gewährleistungsinstanz für ein weiterhin angemessenes Angebot der Daseinsvorsorge.
Projekte sind laut der Studie besonders dann erfolgreich, wenn sie von engagierten Ehrenamtlern getragen werden, die es immer wieder schaffen, andere Menschen zu motivieren. Für Menschen, die aktiv werden wollen, gibt es nun auch einen Leitfaden speziell zum Thema Daseinsvorsorge. Die Empfehlungen reichen bis hin zu möglichen Rechts- und Organisationsformen sowie Fragen der Finanzierung. Der Ratgeber zeigt aber auch Kommunen Möglichkeiten auf, wie bei Bürgerinnen und Bürger Hemmschwellen abgebaut werden können, die Aufgaben vor ihrer Haustür selber mitanzupacken.

Foto: Bürgerschaftliches Engagement beim Bau des Leohauses in Olfen © Bürgerstiftung Leohaus/Gaby Wiefel

Die Meldung wurde in Kooperation mit dem idw für das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt erstellt.